Prinzip 1
Strategische Planung
Anpassung an lokale Gegebenheiten
1. Zweck des Prinzips – Warum strategische Planung immer lokal beginnt
Strategische Planung klingt oft nach großen Folien, ambitionierten Zielen und perfekten Konzepten. Doch erfolgreiche Transformation beginnt selten im Konferenzraum. Sie entsteht dort, wo Unternehmen tatsächlich stehen: in ihren Märkten, ihrer Kultur, ihren Stärken, ihren Grenzen.
Dieses Prinzip erinnert daran, dass keine Strategie universell funktioniert. Was im Konzernzentrum glänzt, scheitert oft in der Realität. Wachstum entsteht, wenn Unternehmen ihre Umgebung verstehen – und sich klug anpassen. Genau wie Pflanzen nur dort gedeihen, wo Klima, Boden und Mikroklima passen.
Strategische Planung ist deshalb weniger ein Dokument und mehr ein ständiger Abgleich zwischen Ambition und Wirklichkeit, zwischen Möglichkeiten und Bedingungen.
2. Die Natur-Metapher – Warum Kakteen im Moor nicht wachsen
In der Natur entscheidet der Standort über Erfolg oder Scheitern. Ein Kaktus braucht Hitze und Trockenheit. Im Moor ist er verloren. Umgekehrt erträgt ein Moosgarten keinen Hochsommer in der Sonne.
Erfahrene Gärtner wissen das intuitiv. Sie wählen Pflanzen, die zum Boden passen, oder verbessern den Boden so, dass die Pflanzen eine Chance haben. Sie beobachten, probieren aus und passen an.
Die Natur ist damit ein perfekter Lehrmeister:
Nicht die stärkste Pflanze überlebt, sondern diejenige, die am besten zum Umfeld passt.
3. Übertragung auf Unternehmen – Passung schlägt Perfektion
Unternehmen scheitern selten an fehlenden Ideen, sondern an fehlender Passung.
Eine Strategie, die nicht zur Kultur, den Fähigkeiten, den Märkten oder der Region passt, erzeugt nur Reibung.
Darum beginnt gute strategische Planung mit Fragen wie:
- Welche Stärken tragen uns wirklich?
- Welche Märkte passen zu unserem Standort?
- Welche Kunden brauchen genau das, was wir gut können?
- Welche Veränderung ist machbar – und welche überfordert Organisation und Kultur?
Strategische Planung bedeutet, das Terrain zu kennen. Nur so lässt sich entscheiden, welche Innovation tragfähig ist, welche Investitionen Sinn ergeben und wo Risiken lauern.
Es geht nicht darum, die Welt zu verändern. Es geht darum, den eigenen Platz in ihr klug zu gestalten.
4. Signature Story – Die Zitronen im bayerischen Winter (Kurzversion)
Ich wollte unbedingt Zitronen im bayerischen Garten ziehen. Mit viel Technik, Heizkosten und Optimismus hielt ich sie einen Winter lang am Leben – zwei Bäumchen überlebten, beide halb erfroren.
Wenig später saß ich bei einem Maschinenbauer, der seine Automotive-DNA in Richtung Medizintechnik verbiegen sollte. Viel Budget, viel Aufwand – wenig Wirkung. Die Strategie passte nicht zum Standort, nicht zu den Mitarbeitenden, nicht zur Realität.
Die Parallele war offensichtlich:
Erfolg entsteht nicht durch Kraft, sondern durch Passung.
Was aus der Firmenstrategie wurde – und wie kleine Anpassungen große Wirkung hatten –, erzähle ich ausführlich im Buch.
5. Typische Herausforderungen – Wo Unternehmen sich selbst im Weg stehen
Viele Unternehmen stolpern über dieselben Muster:
- Strategien werden aus der Zentrale übertragen, statt lokal entwickelt.
- Stärken werden vernachlässigt, während Trends jagt werden.
- Risiken werden unterschätzt, wenn der Markt anders tickt als geplant.
- Kultur und Kompetenzen passen nicht zu den neuen Zielen.
- Veränderung wird als Kraftakt statt als Anpassungsprozess verstanden.
Das Ergebnis: viel Energie, wenig Ertrag – und das Gefühl, ständig gegen die eigenen Bedingungen anzukämpfen.
6. Wirkung bei Umsetzung – Was passiert, wenn Strategie wirklich passt
Wenn Unternehmen sich an lokale Gegebenheiten orientieren, entsteht Klarheit.
Teams verstehen, warum sie etwas tun. Entscheidungen fallen schneller. Risiken werden realistisch eingeschätzt.
Vor allem entsteht Fokus: Man investiert in Märkte, die tragen, statt Ressourcen zu streuen. Man baut auf Stärken auf, statt sie zu überdecken.
Strategische Planung wird so zu einem Resilienzwerkzeug, das Unternehmen durch Unsicherheit führt und gleichzeitig Wachstumsräume öffnet.
7. Praktische Leitlinien – Wie gute strategische Planung gelingt
- Beginnen Sie mit einer ehrlichen Standortanalyse: Märkte, Kultur, Stärken, Ressourcen.
- Prüfen Sie jede strategische Idee auf Passung: Was geht leicht? Was geht schwer? Was geht gar nicht?
- Denken Sie in Szenarien statt in Gewissheiten.
- Bauen Sie schrittweise auf bestehenden Kompetenzen auf.
- Halten Sie Strategien flexibel – die Umwelt wird es ohnehin sein.
- Strategische Planung ist damit weniger ein Plan, sondern ein lebendiger Prozess.
8. Reflexionsfragen – für strategische Klarheit und bessere Entscheidungen
Diese Fragen helfen, das Prinzip im eigenen Unternehmen bewusst zu verankern – ohne operative Tools oder Methoden:
- Welche Stärken tragen unser Unternehmen wirklich – und welche glauben wir nur zu haben?
- Wo passen wir hervorragend zum Markt – und wo kämpfen wir gegen die Bedingungen?
- Welche Wachstumschancen entstehen durch Anpassung statt durch mehr Aufwand?
- Welche Risiken entstehen aus unrealistischen Erwartungen oder Fehlpassungen?
- Welche Entscheidungen würden wir treffen, wenn wir radikal ehrlich über unseren Standort wären?
Diese Reflexion erleichtert es, eine Strategie zu entwickeln, die zum Unternehmen passt – statt eine, die das Unternehmen verbiegt.
9. Verbindung zu den 8 Schritten – Wo das Prinzip wirkt
Dieses Prinzip unterstützt besonders:
- Schritt 1: Standortbestimmung – die Grundlage jeder Planung
- Schritt 2: Integrierte Transformationsstrategie – Strategie aus Stärken und Kontext
- Schritt 7: Fortschritt messen – Strategie regelmäßig anpassen
- Schritt 8: Kontinuierliche Verbesserung – Standort und Strategie immer wieder abgleichen
Strategische Planung und die 8 Schritte greifen damit direkt ineinander.
Fazit – Die Essenz
Strategie folgt Standort – nicht umgekehrt.
Wer seine Umgebung versteht und sich klug anpasst, wächst nachhaltig.
Wer sie ignoriert, kämpft gegen Naturgesetze – und verliert.