Prinzip 5
Diversität
Resilienz und Balance
1. Zweck des Prinzips – Warum Vielfalt Resilienz erzeugt
Unternehmen streben oft nach Effizienz, Klarheit und Ordnung – doch in einer Welt voller Unsicherheiten ist Vielfalt der entscheidende Stabilitätsfaktor. Diversität bedeutet: unterschiedliche Produkte, Menschen, Perspektiven, Märkte und Geschäftsmodelle so zu kombinieren, dass sie einander ausgleichen.
Wenn ein Bereich schwächelt, tragen andere das System. Wenn ein Markt einbricht, stabilisieren alternative Einnahmequellen das Unternehmen. Wenn ein Team eine Herausforderung nicht lösen kann, übernimmt ein anderes mit einer anderen Denkweise.
Diversität ist damit keine ästhetische Frage, sondern ein Grundprinzip für unternehmerische Widerstandskraft.
2. Die Natur-Metapher – Warum Wiesen überleben, Rasen aber untergehen
Ein englischer Rasen wirkt perfekt: gleichmäßig, ordentlich, ohne Überraschungen. Doch er ist empfindlich. Ein heißer Sommer, ein neuer Schädling, ein Pflegefehler – und große Teile sterben ab. Monokulturen sind schön, aber fragil.
Eine artenreiche Wiese dagegen ist chaotisch und bunt. Nicht jede Pflanze ist immer stark, aber gemeinsam übersteht das System Trockenheit, Frost, Schädlinge und Stürme. Wo die eine Art schwächelt, blüht die andere. Vielfalt schafft Balance.
Die Natur zeigt:
Resilienz entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch Vielfalt.
3. Übertragung auf Unternehmen – Vielfalt als Stabilitätsmotor
Unternehmen, die nur ein Produkt, eine Zielgruppe oder eine Denkweise haben, tragen ein hohes Risiko. Wenn der zentrale Markt schwankt oder eine Schlüsselperson ausfällt, gerät das gesamte System ins Wanken.
Diversität bedeutet hier:
- Unterschiedliche Produkte oder Dienstleistungen
- Verschiedene Märkte oder Regionen
- Vielfältige Kompetenzen und Perspektiven
- Teams, die unterschiedlich denken und handeln
- Flexiblere Geschäftsmodelle, die voneinander unabhängige Erträge erzeugen
Diversität ist kein Chaos, sondern ein bewusst gestaltetes Ökosystem. Genau wie im Garten müssen Elemente zusammenpassen – aber nicht identisch sein.
4. Signature Story – Vom englischen Rasen zur Wildblumenwiese (Kurzversion)
Ein Maschinenbauer war jahrzehntelang erfolgreich mit einem einzigen Produkt für die Automobilindustrie – ein perfekter „englischer Rasen“. Doch als der Markt einbrach, stand das gesamte Unternehmen still.
Sein Nachbarbetrieb, ein vermeintlich chaotischer „Gemischtwarenladen“, überstand die Krise besser: Software, Möbel, Beratung, Prototyping – nicht alles lief perfekt, aber die Vielfalt trug das Unternehmen durch die Unsicherheit.
Der Maschinenbauer begann umzudenken: weniger Rasen, mehr Wiese. Neue Geschäftsfelder keimten, Teams arbeiteten breiter, Kompetenzen wurden gestreut. Das Ergebnis war beeindruckend: mehr Stabilität, mehr Innovationskraft, mehr Flexibilität.
Wie diese Transformation gelang, beschreibe ich im Buch detailliert.
5. Typische Herausforderungen – Warum Unternehmen Vielfalt scheuen
Viele Organisationen tun sich mit Diversität schwer:
- Fokussierung wird mit Sicherheit verwechselt
- Vielfalt wirkt scheinbar ineffizient
- Führungskräfte fürchten Kontrollverlust
- Neue Geschäftsfelder werden als Risiko statt als Chance gesehen
- Teams bleiben homogen, obwohl unterschiedliche Denkweisen nötig wären
- Perfektionismus verhindert Experimente
Doch in einer volatilen Welt ist Monokultur das größte Risiko.
6. Wirkung bei Umsetzung – Was passiert, wenn Vielfalt zur Stärke wird
Wenn Unternehmen Vielfalt aktiv gestalten, entsteht Robustheit. Märkte gleichen sich aus, Abhängigkeiten sinken, und Überraschungen werden besser abgefedert. Teams lernen voneinander, Perspektiven erweitern Entscheidungen, und Innovation entsteht fast automatisch aus der Vielfalt an Erfahrungen.
Diversität erzeugt eine Art „organische Balance“:
Nicht alles läuft gleichzeitig gut – aber das Gesamtsystem bleibt stabil.
Das ist der Kern resilienter Unternehmensführung.
7. Praktische Leitlinien – Wie Diversität im Unternehmen funktioniert
- Entwickeln Sie mehrere Ertragsquellen, auch wenn sie klein starten.
- Fördern Sie heterogene Teams – divers in Erfahrung, Alter, Ausbildung, Herkunft, Denkstil.
- Gestalten Sie Vielfalt bewusst und strategisch, nicht zufällig.
- Lassen Sie Experimente zu und akzeptieren Sie unterschiedliche Taktungen.
- Denken Sie Unternehmensentwicklung als Ökosystem, nicht als Linienprozess.
Vielfalt braucht Pflege, aber sie schützt vor Krisen.
8. Reflexionsfragen – für eine stärkende Vielfaltsperspektive
- Wo sind wir im Unternehmen noch eine Monokultur – und warum?
- Welche kleinen neuen Geschäftsfelder könnten unsere Stabilität erhöhen?
- Welche Perspektiven fehlen in unseren Teams und Entscheidungen?
- Welche Risiken entstehen durch zu starke Abhängigkeit von einem Markt?
- Wo könnten wir bewusst mehr Vielfalt zulassen, ohne die Struktur zu verlieren?
Diese Fragen öffnen den Blick für Chancen, die in der Vielfalt liegen.
9. Verbindung zu den 8 Schritten – Wo das Prinzip wirkt
Das Prinzip der Diversität stärkt besonders:
- Schritt 2: Integrierte Transformationsstrategie – mehrere Zukunftspfade berücksichtigen
- Schritt 3: Organisatorische Grundlagen – Teams breiter aufstellen
- Schritt 5: Pilotprojekte umsetzen – Vielfalt als Experimentierfeld
- Schritt 8: Kontinuierliche Verbesserung – Systeme immer wieder ausbalancieren
Diversität macht die Transformation stabil – auch wenn einzelne Teile schwanken.
Fazit – Die Essenz
Die stärksten Unternehmen sind wie Wiesen: vielfältig, flexibel und widerstandsfähig.
Wer Diversität bewusst gestaltet, schafft ein System, das Krisen übersteht und Chancen erkennen kann.